Keine Harmonie im Paradies (4 von 5 Leselokomotiven)

10 Menschen stranden nach einem Sturm auf einer einsamen Insel, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation kämpfen sie ums Überleben. Durst, Hunger, Hoffnungslosigkeit, aber nicht nur das: Unter ihnen befindet sich ein Mörder … Zugegeben, dieses Setting klingt vertraut, wenn nicht ausgelutscht.

ABER: Das hier ist ein Thriller von RUTH WARE, Schreibfeder-Königin abgeleger Orte und geschickter Personenzeichnung. Außerdem ist da der Kunstgriff, den Robinsonade-Topos mit dem Thema Reality-TV und Social-Media-Ruhm zu verknüpfen. Denn die genannten Personen, treten jeweils paarweise in einem neuartigen Fernsehformat gegeneinander an, das zeigen soll, wer von ihnen das perfekte Paar ist oder wer eben ggf. nicht. Protagonistin und Ich-Erzählerin Lyla, im echten Leben Virologin, nimmt nur auf Bitten ihres Freundes Nico teil, der als bislang erfolgloser Schauspieler nach Anerkennung strebt. Ähnlich verhält es sich in den anderen Konstellationen, wobei unter der glänzenden High-Fashion-Oberfläche manch brutaler Abgrund lauert. Und Überraschungen, die dem Text immer wieder Schwung verleihen. Sicher: Nicht alle Plot-Twists wirken aus dem Leben gegriffen, allerdings liegt das in der der Natur der Sache solcher Spannungsromane. Überzeugend dargestellt sind auf jeden Fall der physische (rationiertes Wasser, rationierte Nahrung) wie psychische (kein Kontakt zur Außenwelt, keine Vorstellung, ob überhaupt Rettung kommt, und das Wissen um einen Mörder in der Runde) Überlebenskampf. Besonders Protagonistin Lyla überzeugt durch Klugheit und Authentizät.

Das Ganze ist natürlich keine hohe Literatur (will es auch nicht sein) – und in meinen Augen nicht das beste Buch der Autorin – aber es ist routiniert geplottet sowie technisch perfekt umgesetzt. Man lässt sich mitreißen, bleibt dabei. Lassen wir die Fakten sprechen: Meine Nettolesezeit betrug ca. 8 Stunden. Mit einer Unterbrechung – denn da musste ich wirklich aufs Klo …

Buchtipp von Astrida Wallat