Homo homini lupus … (5 von 5 Leselokomotiven)
… der Mensch ist des Menschen Wolf, heißt es schon bei Plautus gut 200 Jahre vor Christus, und vermutlich wusste er, wovon er sprach.
Bei Jugendromanen ist es nicht selten so, dass sie Erwachsenen gefallen, weil sie aus deren Perspektive pädagogisch wertvoll sind bzw. ein aktuelles oder gesellschaftlich wichtiges Thema aufgreifen. In der Bücherei jedenfalls erlebe ich es durchaus, dass gerade die Titel unbeachtet von der Zielgruppe im Regal verbleiben, die hochgelobt sind oder gar Preise gewonnen haben.
Im Gegensatz dazu sollte »Lupus noctis« den Nerv der Jugendlichen treffen und mit der richtigen Mischung aus Suspense und klugem Plot zu überzeugen verstehen, nicht zuletzt durch die Einbeziehung eines beliebten Rollenspiels sowie eines realen Lost Place als Handlungsort. Sechs Jugendliche steigen (illegal) in das verlassene unterirdische Bunkerkrankenhaus unter Gunzenhausens Berufsschule hinab, um dort ihre persönliche Variante des Werwolfspiels, das wiederum eine Variante der älteren Mafiaversion darstellt, in einem möglichst schaurigen Umfeld umzusetzen. Den Teilnehmern werden Rollen zugelost, die sie besser oder schlechter ausführen können, letztendlich geht es darum, zu überleben. Am Anfang scheint die Rechnung des besonderen Thrills aufzugehen, dann jedoch schleichen sich Ungereimtheiten ein, es kommt zu seltsamen Vorfällen. Dem Leser und bald auch den beteiligten Figuren wird bewusst, dass etwas gewaltig nicht stimmt. Nach und nach treten Geheimnisse zutage, die das wechselseitige Vertrauen zerstören. Ungeklärte Konflikte in den Beziehungen zueinander, unterschiedliche Interessen führen zu Spannungen. Irgendwann ist der lebenswichtige Schlüssel zum Ausgang des Bunkers verschwunden, schließlich geht das Licht aus. In Dunkelheit, Kälte und bei abnehmenden Essensvorräten wird der fiktive bald zum echten Überlebenskampf …
An diesem Thriller ist vieles so richtig gelungen, zum Beispiel ist es schwierig, sechs bzw. eigentlich sieben (eine weitere Person des Freundeskreises agiert von außen) verschiedene Figuren derart differenziert und zugleich glaubwürdig darzustellen. Sicher war es in dem Fall von Vorteil, dass sich hier zwei Autorinnen Handlungsstränge und Figurenzeichnung untereinander aufgeteilt haben. Als Leser hat man am Ende jedenfalls das Gefühl, jeden und jede von ihnen sehr gut zu kennen, Stärken zu verstehen, Schwächen zu erahnen. Sehr überzeugend auch, dass sich zwar vieles auflöst, aber dennoch nicht alles gut wird. Denn – so viel sie gesagt, ohne zu viel zu verraten – nicht die Gruppe kehrt nicht vollzählig ans Tageslicht zurück …
Ganz großes Lesekino!
Buchtipp von Astrida Wallat
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