Wieso, weshalb, warum? (5 von 5 Leselokomotiven)

Viele Fragen, keine Antworten, kennen Sie das auch? Dann sind Sie bei diesem Klassiker der deutschsprachigen Literatur goldrichtig. Hier soll und muss man nämlich in sich gehen. Max Frisch notierte je 25 Fragen zu 11 existentiellen Themenkreisen wie »Ehe«, »Hoffnung«, »Heimat«, »Tod«, »Humor« (hier 26, was für sich spricht), zunächst in seinem zweiten Tagebuch (1966–1971). Später wurden sie separat publiziert und erlangten so etwas wie intellektuelle Berühmtheit – als Poster hingen sie in so manchem Schweizer Wohnzimmer.

Wie das Leben so spielt, fiel mir das Buch durch Zufall wieder in die Hände, ich blätterte hinein, blieb hängen. Obgleich ein Kind seiner Zeit, ist Vieles davon noch heute überdenkenswert und, wenn man sich darauf einlässt, – ziemlich – meditativ.

Im Folgenden ein kleiner Selbstversuch, so ganz aus dem B(a)uch heraus:

Wissen Sie in der Regal, was Sie hoffen?

In der Regal ja. Ich bin mir während des Hoffens nur nicht immer sicher, ob ich das Richtige hoffe und was passiert, wenn diese Hoffnung zu meiner Lebensrealität wird.

Wie unterscheiden sich Witz und Humor?

Humor ist eine charakterliche Grundanlage, ohne die schwer auszukommen ist. Völlig humorlose Menschen sind mir unerträglich. Witz kann etwas Punktuelles sein, eine Pointe, situationsbedingt entstehen etc. »Gewitzt« zu sein, hat für mich durchaus einen negativen Beigeschmack, im Sinne von Bauernschläue, die ebenso schwer erträglich ist wie humorlose Menschen.

Wieviel Heimat brauchen Sie?

Je älter ich werde, umso mehr. Nach 12 Jahren als Exilfränkin in Schwaben wollte ich zum Beispiel unbedingt nach Franken zurück. Und mindestens einmal im Jahr muss ich nach Italien, um mein zweites Ich zu besuchen und es mit meinem Alltagsich zu vereinen. Wobei Heimat ja auch viel im Kopf stattfindet, und da habe ich sie tatsächlich oft in Büchern finden können, in Gedanken, die mich begleitet haben oder literarischen Figuren, die mir zu Freunden geworden sind.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Gilt das nur persönlich oder auch virtuell? Virtuell wäre ich ganz sicher Vladimir Putin, Donald Trump und allen anderen nie begegnet, die unsere Welt aus Selbstherrlichkeit zu einem undemokratischen und damit schlechteren Ort machen.
Persönlich: Einigen meiner ehemaligen Schulkameraden, die mich schwer gemobbt und mir so einen Teil meines Selbstwerts genommen haben, den ich über lange Jahre hinweg wieder aufbauen musste. Er ist immer noch rissig.

Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?

Ich bin seit fast 15 Jahren verheiratet und lerne inzwischen eher innerhalb der Liebesbeziehung.

Man könnte lange so weitermachen. Ich fand es spannend, vielleicht reizt es andere ebenso?
FAZIT: Das Buch findet sich jetzt (wieder) in unseren Klassikerregal.

Buchtipp von Astrida Wallat