Your home is not your castle …
Noemi Taboada, eine lebenslustige und eher bindungsunwillige junge Frau aus Mexiko Citys Upper Class, erreicht ein verzweifelter Hilferuf ihrer Cousine Catalina. Vor Kurzem hat diese überstürzt in ein verarmtes britisches Adelsgeschlecht eingeheiratet, verfallener Herrensitz irgendwo im Nirgendwo in den Bergen bei El Trionfo inklusive. Dort lebt sie nun, und ein mysteriöser Brief lässt Schauriges erahnen: Catalinas Mann Vergil versuche, sie heimlich zu vergiften, das Haus sei voller Gespenster und überhaupt sie selbst nicht mehr sie selbst. Noemis Vater ist besorgt, er entsendet seine Tochter, um nach dem Rechten zu sehen.
Noemi nimmt die Herausforderung mit einer Leichtigkeit und Nonchalance an, welche ihr relativ schnell vergehen werden. Das alte Gemäuer High Place zeigt sich kalt und abweisend, die Bekanntschaft mit der ebenso traditionsbewussten wie gestrengen Familie Doyle gestaltet sich schwierig. Ehemann Virgil ist ein selbstgefälliger Kotzbrocken, der herrische Patriarch Howard führt ein eisernes Regiment, seine Nichte Florence, gleichzeitig die Haushälterin, hasst den Neuankömmling sofort aufs Messer, die eifersüchtig bewachte Cousine bekommt Noemi kaum zu Gesicht. Jede Eigenständigkeit, wie gelegentliche Ausflüge nach El Trionfo, werden rasch verboten oder streng überwacht. Einzig Francis, Florence‘ Sohn, wirkt etwas zugänglicher. Soweit, so lästig, so langweilig. Doch nachts plagen Noemi böse, seltsame Träume, immer wieder nimmt sie ein eigenartiges Summen wahr, zudem Dinge, die es eigentlich nicht geben dürfte. Was auf diese Weise nach und nach zutrage tritt, lässt das Blut in den Adern gefrieren, und als die Protagonistin erkennt, was es mit der Familie Doyle und High Place wirklich auf sich hat, ist es eigentlich schon zu spät …
Im englischen Original war das gut vermarktete Buch ein Sensationserfolg, die Leserstimmen zur deutschen Übersetzung zeigen sich etwas verhaltener. Meiner Meinung nach handelt es sich um einen wirklich bemerkenswerten Roman, eine Art Genre-Mix aus Gesellschafts- und Schauerroman mit Horrorelementen (Achtung: Nichts für schwache Nerven!). Was am Anfang etwas dahinplätschert, ja geradezu harmlos wirkt, wird schnell zu einem bedrückenden Thriller voller Suspense und Überraschungen. Wer sich gern gruselt und zugleich über eine literarische Ader verfügt, ist mit diesem Roman voller Anspielungen, Wendungen und Nervenkitzel gut beraten. Ein kleiner Spoiler: Pilzgerichte wird man nach der Lektüre vermutlich für eine Weile meiden …
Buchtipp von Astrida Wallat
