»Die Töchter Roms – Flammentempel« von Debra May Macleod

Feuer, Frauen und das Meer …

… sind die drei mächtigen Dinge.« Der auf der Rückseite des Romans zitierte Ausspruch Aesops kann durchaus als dessen unterschwellige Leitlinie verstanden werden, als eine Art Nucleus, auf den alles zurückfällt.

Zweifellos gehören die Vestalinnen zu den faszinierendsten, zugleich sagenumwobensten Figuren der Antike. In höchstem Ansehen und ausgestattet mit außergewöhnlichen Privilegien, war ihr Fall besonders tief, wenn sie ihrem Keuschheitsgelübde als »Braut Roms« untreu wurden und sich einem Mann hingaben. Wurden sie des incestus beschuldigt, vergrub man sie lebendig in einem Verlies auf dem Campus Sceleratus. Dass dieses Schicksal nicht selten dann ein Mitglied des eigentlich unantastbaren Priesterinnenordens traf, wenn Rom selbst einen harten Schlag zu verkraften hatte (militärische Niederlagen, Dürreperioden etc.) lässt zusätzlich Raum für Spekulationen.

»Flammentempel«, der erste Band der Reihe »Die Töchter Roms« von Debra May Macleod führt in die Zeit kurz nach der Ermordung Caesars und seiner Nachfolge durch Octavian, den späteren Augustus, also in den Übergang von römischer Republik zur Kaiserzeit, mitten in das zähe Ringen zwischen Octavian mit Marcus Antonius um die Vorherrschaft über das Imperium. Rom versus Ägypten, dazwischen das Meer. Und Pomponia eine junge Priesterin von wachem Geist, die den heiligen Eid geschworen hat, Vestas Feuer zu dienen. Zunächst unbedeutend, rückt sie nach und nach als Vestalis maxima an die Spitze ihres Ordens, eine Funktion, die sie von der weisen Fabiana übernimmt. Damit gehört sie zu den wichtigsten Persönlichkeiten Roms, ist aber zugleich angreifbar, da sie sich politischen Sachzwängen nicht entziehen kann. Sie interagiert mit den oben genannten, üblichen Mächtigen ihrer Zeit, die wir alle aus dem Schulunterricht oder wenigstens aus Historienschinken kennen. Dabei ist stets Vorsicht geboten, denn die keusche Protagonistin hat eine Achillesferse: ihre ungebührliche Zuneigung zu Quintus, einem jungen Mann aus dem Priesterkollegium des Mars. Als dann noch Caesar Octavian ein Sakrileg von ihr fordert, gerät sie in einen Gewissenskonflikt …

Fabiana, Pomponia, Kleopatra, Livia Drusilla: Macleods Roman ist reich an starken, noch im Angesicht Todes schier unbesiegbaren Frauenfiguren, welche die Geschicke der Welt aus dem Hintergrund weit mehr zu lenken scheinen als die tapferen Männer dies augenscheinlich tun. Und zwar auf ihre je eigene Weise mit Klugheit oder Hinterlist, harten Bandagen oder sanfter Überzeugungskunst. Das Buch ist eine unterhaltsame Geschichtsstunde in lässigem Tunikafaltenwurf, die man als Kenner historischer Gegebenheiten streckenweise nicht zu genau nehmen sollte (die Übersetzung der römischen Trauformel »Ubi tu gaius ego ibi Gaia« etwa ist schon etwas eigenwillig), die sich aber als echter Pageturner entpuppt, wenn man sich darauf einlässt. Mir hat das Buch einige wohligschauernde Lesestunden bereitet. Warum auch nicht, schließlich sind Macht, Kriege, Liebe, Intrigen, Verrat – oder im Hollywoodjargon Sex and Crime – von jeher die Pfeiler, auf denen gute Unterhaltung ruht. Der Folgeband »Wolfszeit« ist für September bereits angekündigt. Und ja: Ich werde ganz sicher dazu greifen! Denn gerne begebe ich mich erneut auf eine ebenso nervenkitzelnde wie lehrreiche Lesezeitreise ins antike Rom!

Buchtipp von Astrida Wallat