Kommissar Kastner von Susanne Reiche

Gestatten, Kommissar Kastner

Kastner neu Internet

Er könnte ein fränkischer Verwandter des beliebten sizilianischen Commissario Montalbano sein: Eigenbrötlerisch, schrullig, auf verschrobene Weise attraktiv und mit recht individuellen Ermittlungsmethoden. Vier Bände mit dem in Nürnberg und Umgebung ermittelnden Kommissar Kastner liegen inzwischen vor: »Fränkisches Chili«, »Fränkisches Sushi«, »Fränkische Tapas« und »Fränkisches Pesto« – Autorin Susanne Reiche lässt kriminalkulinarisch keine Wünsche offen. So vielfältig und ein bisschen hybrid wie die titelgebenden Gerichte, sind auch die Fälle, die der Hauptkommissar zu lösen hat. Ein ermordeter Bauunternehmer, ein ebenfalls zu Tode gekommener Balkan-Flüchtling, eine verschwundene Landrätin, eine missglückte Kräuterwanderung. Susanne Reiche setzt sich mit den verschiedensten (oftmals sozialpolitischen) Facetten des mittelfränkischen Lebens auseinander und findet immer neue Zutaten, aufgrund derer es bis zum Ende spannend bleibt. Die Fälle sind gut durchdacht, gekonnt geplottet und verströmen dabei ein authentisches Lokalkolorit. Den Figuren nimmt man ab, was sie sind: Ehrgeizig, gescheitert, arrogant, verzweifelt. Auch die Polizeitruppe um Kastner – die kluge Alleinerziehende Claudia, den immer etwas neben der Spur laufenden Felix Wernreuther oder den stets mürrischen und auf Zackigkeit bedachten Vorgesetzten Wismeth – schließt man schnell ins Herz. Fehlen nur noch die Cannoli für die Rechtsmedizinerin …

Kastner lebt mit seiner Freundin Mirjam, die nicht selten ein paar ganz eigene Weisheiten zu den Ermittlungen beizutragen hat, in der Südstadt, liebt deftiges Speisen und pflegt seine ganz eigene Lebensphilosophie (keine Kinder, bloß nicht umziehen!), die nicht immer die Zustimmung seiner sehr selbstbewussten besseren Hälfte findet. In Bezug auf die mich ein gewisser Verdacht befällt: Ähnlich wie Salvo Montalbano sich über mehr als 20 Bände der Reihe von Andrea Camilleri erfolgreich vor einer Eheschließung mit seiner Livia drückt, kann man sich Kastner, den selbst seine Lebensgefährtin nur beim Nachnamen nennt, schwer mit einem Ehering am Finger vorstellen. Wir werden es lesen …

Buchtipp von Astrida Wallat