»Die Glücksschneiderin« von Ulrike Sosnitza

Jeden Tag eine gute Naht

Glücksschneiderin internet

Ulrike Sosnitza ist eine Garantin für gut recherchierte Unterhaltungsromane mit Tiefgang, die oft in Würzburg spielen. So auch in diesem Fall: Clara hat sich gemeinsam mit ihrer Tante Sonja, den Traum von einem Nähcafé in der Sanderstraße erfüllt. Dort widmet sie sich unter anderem dem Upcycling, also dem Umschneidern bzw. »Aufhübschen« von alten Kleidungsstücken. Da dem Laden noch das gewisse Etwas, ein Blickfang fehlt, ersteht Clara auf einem Flohmarkt ein außergewöhnliches Vintagekleid, das sie auf noch außergewöhnlichere Weise mit ihrem Exfreund Finn zusammenführt. Vor Jahren hat er sie ohne ein Wort verlassen. Der Schmerz sitzt noch tief, die Gefühle ebenfalls … Worauf es hinausläuft, kann man sich denken, aber wie es dazu kommt, hält mehr als eine Überraschung parat und widerspricht auf wohltuende Weise dem Klischee des oberflächlichen Unterhaltungsromans. Gewohnt souverän setzt sich die Autorin sehr ernsthaft mit den Themen auseinander, die sie sich vorgenommen hat. In diesem Fall hat sie extra einen Nähkurs besucht, und sich auch auf ein anderes tabubeladenes Sujet eingelassen, das hier nicht genannt werden kann, ohne zu viel zu verraten. Das lebensfrohe Tante-Nichte-Gespann nimmt sofort für sich ein, die beschriebenen Orte verströmen eine besondere Aura und die Geschichte einen ihr eigenen ruhigen Esprit. Besonders sympathisch: Die Wiederbegegnung mit der (inzwischen schwangeren) Lea Winter, der Protagonistin aus Sosnitzas Roman »Novemberschokolade«.

Mein Fazit: Spitz(e) wie eine hochqualitative Nähnadel, dicht erzählt wie gut gewebter Tweed, hält die Spannung wie reißfester Zwirn. Lesen!

Buchtipp von Astrida Wallat