»Der kleine Gasthof an der Schlei« von Inken Bartels

Der Duft von Apfelbrötchen oder: Von der steifen Meeresbrise verweht

 Buchtipp Gasthof an der Schlei

Erinnern Sie sich noch daran, wie im ZDF einst »Der Landarzt« (in wechselnder Besetzung von Christian Quadflieg bis Wayne Carpendale) Patienten behandelte bzw. vor allem deren private Probleme löste? Vor idyllischer norddeutscher Kulisse und natürlich stets verlässlich innerhalb der 45 Minuten Sendezeit? Ich selbst verbinde damit schöne Kindheitserinnerungen, denn ich habe die Serie regelmäßig zusammen mit meiner inzwischen längst verstorbenen Oma angesehen. Da ich mich im Urlaub außerdem persönlich vom Reiz der Schlei überzeugen konnte, habe ich die heutige Leseempfehlung für unsere Bücherei zu bestellt: »Der kleine Gasthof an der Schlei« von Inken Bartels. Es geht darin um eine junge Köchin, ihre eigenwillige Mutter und ihre noch eigenwilligere Großmutter, deren schräges Testament der Handlung so richtig Schwung verleiht. Darin nämlich ist verfügt, dass Tochter Isa und Mutter Jette vier Wochen zusammen den Dorfkrug »Seestern« bewirtschaften und zu neuem Leben erwecken müssen, wenn sie ihn letztlich erben wollen. Isa, die soeben grandios mit ihrem Sternerestaurant in London gescheitert ist, hat jedoch ganz andere Sorgen. Dass das Mutter-Tochter-Gespann heillos miteinander verkracht ist, macht die Sache nicht besser. Es muss einiges Wasser die Schlei hinunterfließen und viel gekocht werden, bis der wohlverdiente Frieden einkehrt. Probleme also am Anfang und in der Mitte, am Schluss viel Freude und Heiterkeit. Wie seinerzeit beim Landarzt eben.

Den Feel-good-Roman durchweht der Duft von Bratheringen, hausgemachten Apfelbrötchen sowie eine steife Meeresbrise. Wenn Sie etwas Zerstreuung suchen vom Alltag oder Ihnen das Fernweh an der Seele zehrt, liegen Sie mit dieser fluffigen Lektüre goldrichtig. Denn wie ich gern sage: »Lesen ist Reisen im Kopf.«

Buchtipp von Astrida Wallat