»Panic Hotel« von Stephan Knösel

Buchtipp Knösel Panic Hotel

»Liebe in Zeiten des Weltuntergangs« …

… die Headline auf der Rückseite trifft es vielleicht sogar besser, runder, als der Titel des Buches. Im Jahr 2032 ist es nach Konflikten aufgrund des Klimawandels zu einem Atomkrieg gekommen und die Welt, wie wir sie kennen, in Schutt und Asche gelegt. In der Nähe Frankfurts jedoch haben die Superreichen einen Luxus-Bunker errichtet, der ihnen im Augenblick der Katastrophe Schutz mit Hotel-Komfort bietet, und so etwas wie eine Zukunft. Umsorgt werden diese »Gründer« genannten Geldgeber von »Fachkräften« – rechtlosen Wesen, Arbeitssklaven, deren Leben allein von der Willkür ihrer Herrschaft abhängt. Zwei von ihnen sind die Teenager Janja und Wesley, deren sich zögernd entwickelnde Gefühle zueinander unter keinem guten Stern stehen. Was zunächst Rettung verhieß, entwickelt sich für alle Beteiligten mehr und mehr zu einem Albtraum, sprich Depressionen im Angesicht des Nichtstuns bei der einen, Erschöpfung und Aggressionen auf Seiten der anderen Fraktion. Tiefer greifende Konflikte sind vorprogrammiert …

Dieser Jugendroman ist zweifelsohne das, was man landläufig einen Pageturner nennt, wer ihn einmal zur Hand genommen hat, wird ihn so schnell nicht weglegen. Dem Autor gelingt eine spannende Mischung aus Dystopie, Krimi und rührender (teils etwas »amerikanisch« anmutender, aber vermutlich wird das vom Zielpublikum durchaus goutiert) Liebesgeschichte. Auch der Thrill kommt nicht zu kurz – das Weltenende und die Atmosphäre im Bunker sind (beklemmend: solche Luxus-Bunker existieren tatsächlich!) ebenso wie die sozialen Entwicklungen anschaulich dargestellt. Und das Positive: Am Schluss bleibt dennoch etwas wie Hoffnung, auf Menschlichkeit und eine bessere Gesellschaft.

Das Buch habe ich unter Eindruck der Corona-Pandemie gelesen, und man könnte fast meinen, der Autor habe es vor demselben Hintergrund geschrieben. Natürlich sind die Szenarien nicht vergleichbar, doch die beengte düstere Atmosphäre des Bunkers übertrug sich durch die reale Situation des Lockdowns und die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen auf ungewöhnlich intensive Weise.

Buchtipp von Astrida Wallat